Queraufstieg Berlin

Was mit Medien...

Henning Ott, Ausbildung zum Mediengestalter Bild und Ton, Freiberufler


Henning Ott bezeichnet sich selbst als Landkind. Er liebt die Ruhe und Menschenmengen überfordern ihn. Für einen, der aus der 20 000-Einwohner-Stadt Neustrelitz kommt, kann Berlin nur eine Herausforderung sein. »Es war ein Wink des Schicksals«, sagt der heute 28-Jährige. Inzwischen lebt er in der Hauptstadt und arbeitet als Mediengestalter Bild und Ton.

Doch ein wirklicher Plan steckte nicht dahinter, als er 2011 sein Abitur in Neustrelitz erfolgreich abschloss. Klar war nur, er würde studieren. »Ich war so ziemlich in allem gut während der Schulzeit, aber ich hatte mir nie Gedanken darüber gemacht, was mich wirklich besonders interessiert oder wofür ich brenne.« Er spielte Fußball, belegte Informatik, erhielt Gitarrenunterricht. »Es war aber auch kein Grund, deshalb Sport, Musik oder Informatik zu studieren. Darauf wäre ich nicht gekommen«, sagt Henning Ott.

Im Herbst 2011 zog es ihn nach Dresden, um dort BWL mit dem Schwerpunkt Industrie zu studieren. Das klang solide. »Ich dachte, ein betriebswirtschaftlicher Hintergrund kann nicht schaden, für das, was ich später im Leben mal arbeiten würde.« Da waren jedoch noch genauso viele Fragezeichen, was im Berufsleben folgen könnte. Schon im zweiten Semester langweilte er sich, saß bei Seminaren lieber mit dem Laptop in den hinteren Reihen und verbockte wichtige Prüfungen. »Ich befand mich in einem persönlichen Loch«, rekapituliert er diese Zeit. Das Elternhaus verlassen, in einer fremden Stadt und für sich selbst verantwortlich, die große Jugendliebe gescheitert – das alles nagte an dem damals Zwanzigjährigen. »Der Studienabbruch stand für mich fest. Ich bin dann mal weg.« Eine Beratung, denkt er heute, hätte ihm nicht geholfen, weil er keine inhaltlichen oder organisatorischen Defizite fühlte, sondern persönlich-emotional in einem Tief steckte. »Genau weiß ich es nicht, ich habe mir einfach keine Beratung gesucht.«

Henning Ott suchte nach dem Studienabbruch erst einmal Übergangslösungen und absolvierte Praktika.

Die suchte er im Medienbereich. Dank einiger Schulfreunde, die es nach Berlin verschlagen hatte, die Videos produzierten oder auch mal einen Aufnahmeleiter für Filmdrehs benötigten, hatte er in diese Branche schon mal praktisch reingeschnuppert. »Und dabei hatte ich das Gefühl, etwas Sinnvolles zu tun.« Eine Zusage vom YouTube-Netzwerk und ein Facebook-Post eines Schulfreundes, dass ein WG-Zimmer in Berlin frei sei, machten den endgültigen Schritt nach Berlin klar. Die nächste Zusage kam vom Privatradio, danach wechselte er in eine Fernsehproduktionsfirma. So verging die Zeit. Aber ganz ohne Ausbildungsabschluss wollte er nicht durchs Leben gehen und fragte unter Freunden und Bekannten rum. Eine umsichtige Kollegin brachte ihn auf die Idee, sich um eine Ausbildung als Mediengestalter Bild und Ton bei der Deutschen Welle zu bewerben. »Von der Deutschen Welle hatte ich vorher noch nie etwas gehört«, sagt Ott. Aber seine Bewerbung war 2014 erfolgreich. Fortan standen Elektrotechnik, Medientechnik, Medienwirtschaft und Informatik auf seinem Stundenplan. Bild und Akustik gehören zu seinem täglich Brot. Er lernte von der Pike auf, was ein Cutter beim Film- und Tonschnitt wissen muss oder wie beim Dreh Scheinwerfer gesetzt und Mikrofone ausgerichtet werden müssen. Sein Beruf geht meistens in Teamarbeit: mit Kameraleuten und Tontechnikern, die die Bilder und Akustik liefern, sowie den Autorinnen und Autoren, die für den Inhalt eines Beitrages oder Filmes verantwortlich sind. Er setzt die Puzzleteile zusammen. »Alles, was ich als Mediengestalter mache, hat eine Wirkung auf die Menschen. Mein Job ist es, die Wirkung zu erschaffen, die beabsichtigt ist.« Interessant seien die »Geschichten, die ich erzählen darf«, sagt Henning Ott mit einem leisen Stolz in der Stimme.

Über den Studienabbruch denkt er nicht mehr allzuviel nach. »Für mich war das kein Scheitern, sondern Erkenntnis. Verantwortung für eigene Entscheidungen zu übernehmen, denn man selbst trägt die Konsequenzen.«

Film und Fernsehen sind zu seinem Lebensinhalt geworden, schleichend. »Das, was ich mache, möchte ich gut machen. Ich freue mich auch, wenn meine Arbeit von der Redaktion anerkannt und gelobt wird.« Er habe nicht vor, Karriere zu machen oder einen Oscar zu gewinnen.

Seit dem Ende seiner Ausbildung arbeitet er freiberuflich, eine Besonderheit dieses Berufes – Freiraum und Unwägbarkeit gleichermaßen. Die Deutsche Welle bucht ihn mehr als genug. Für ihn, dem in jungen Jahren der Berufswunsch »Was mit Medien« nie über die Lippen gekommen wäre, läuft es.

Wer weiß, vielleicht heißt es irgendwann: »The Oscar for Best Film Editing goes to...«

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