Queraufstieg Berlin

Besser verstehen lernen

Peter Bahrdt, Hörakustiker, Amplifon Deutschland GmbH




Peter Bahrdt spricht in einer angenehmen Lautstärke. Seine deutliche Aussprache verrät, dass er aus dem Norden kommt. Von der Insel Rügen. Die hat er unmittelbar nach dem Abitur 2006 verlassen, um in Rostock erst Zivildienst beim DRK-Fahrdienst zu leisten und danach mit einem Studium zu beginnen. „Mir ging es erst einmal darum, mich weiterzubilden, deshalb habe ich mich für Soziologie und Englisch entschieden“, erklärt er. „Ein konkretes Berufsziel hatte ich nicht.“ Und genau das wurde ihm zum Verhängnis. „Was kommt danach? Irgendwann fragt man sich, womit man Geld verdienen wird?“ Er hat keine Antwort darauf und bricht sein Studium nach fünf Semestern ab.

 

„Ich hatte keine Perspektive für mich gesehen. Es war ein schleichender Prozess, es gab keinen Schlüsselmoment.“

Hörbar gute Fragen: Ein Beruf mit psychologischem Feingefühl



Peter Bahrdt macht einen Schnitt in seinem Leben, wagt einen Neuanfang, auch örtlich. Er zieht nach Berlin und absolviert erst einmal eine Weiterbildung zum Sounddesigner. „Privat hatte ich schon manchmal Musik aufgenommen.“ Außerdem spielt er seit seiner Jugend E-Gitarre und seit er in Berlin lebt mit drei Freunden in einer Band „am ehesten Rockmusik“, wie er belustigt sagt. Eine Anstellung als Sounddesigner findet er im Anschluss leider nicht, aber das Thema Akustik begleitet ihn immer wieder bei seinen Recherchen nach einem Job. „Das Fach Akustik hatte mir sowieso viel Spaß gemacht, warum nicht als Hörakustiker bewerben?“, denkt sich Peter Bahrdt und landet nach bestandenem Eignungstest bei seiner Ausbildungsfirma Amplifon.



Sein zuständiger Gebietsleiter Christoph Sombetzki ist voll des Lobes. „Studienaussteiger sind schon sehr selbstständig, weil sie ja bereits etwas versucht haben, selbst wenn es erst einmal misslungen ist.“ Neben der persönlichen Eignung seines Azubis Bahrdt sieht er vor allem die kommunikativen Kompetenzen. „Gegenüber unserer Kundschaft ist ein Mensch, der schon Lebenserfahrungen ausstrahlt, sehr hilfreich.“ Hörakustiker, weiß der Chef, benötigen viel Einfühlungsvermögen. „Wir arbeiten in einem sensiblen menschlichen Bereich, sind in erster Linie Psychologen. Wer gibt schon gerne zu, dass er oder sie nicht mehr exzellent hören kann?“Intensive Kundengespräche zu führen und dabei die richtigen Fragen zu stellen, ist eine wesentliche Kernkompetenz des Berufs: Wenn man Tagesablauf und Lebensumstände der Kundschaft kennt, Besonderheiten des Arbeitsplatzes und des Geräuschumfeldes, ob sie regelmäßig auf die Kegelbahn oder auf die Pirsch zum Vögelbeobachten gehen, dann ist auch die passgenaue Versorgung möglich.

 


Den Hörtest durchzuführen, einen Abdruck vom Gehörgang zu nehmen und das passende Hörsystem auszuwählen, gehört eher zu den Routineaufgaben des Berufs. Dass in der Ausbildung natürlich viel Anatomie, physikalisches Wissen oder Reparaturhandwerk wie Fräsen vermittelt werden muss, ist selbstverständlich. „Gegebenfalls muss ich beim Anpassen einer Otoplastik etwas fräsen oder schleifen oder eine Bohrung setzen, damit das Gerät für die Kundschaft perfekt ist“, sagt Peter Bahrdt. Denn ein Kunde, der nicht verzweifelt das Gerät aus dem Ohr nimmt, weil er plötzlich wieder das Klappern von feinem Porzellan oder das Summen einer Hummel hört, ist ein glücklicher Kunde.

Elegante Lösung: Die Liebe zur Rockmusik mit dem Faible für Akustik verbinden


Wenn Peter Bahrdt nach drei Jahren seine Lehre beendet, hat er gute Chancen, noch einen Meister zu machen. Denn von etwa 20 Millionen Menschen in Deutschland, die nicht (mehr) perfekt hören, sind gerade mal zwei Millionen richtig versorgt. „Immer mehr Menschen tun etwas für ihr Gehör. Sie kümmern sich um sich, denn Hören hat mit Teilhabe am Leben zu tun“, sagt Christoph Sombetzki. Dass die Zukunft auch hier immer digitaler wird, überrascht kaum. „Wir können vom Smartphone fast jedes Hörgerät steuern, egal ob Tinnitusversorgung oder Fernsehen.“ Peter Bahrdt wirkt zufrieden mit seiner Entscheidung, trotz Studienabbruchs: „Irgendwie hat das eine zum anderen gehört. Ich wäre nicht hier, wenn ich nicht abgebrochen hätte. Da ich zufrieden bin, war es vielleicht richtig so in der Kausalität.“ Und mit seinen Englisch-Kenntnissen könnte er mit viel Phantasie eines Tages sogar bei seinem Arbeitgeber Amplifon eine der vielen ausländischen Filialen übernehmen. Aber das ist nicht Rock-, sondern Zukunftsmusik.

„Irgendwie hat das eine zum anderen gehört. Ich wäre nicht hier, wenn ich nicht abgebrochen hätte. Da ich zufrieden bin, war es vielleicht richtig so in der Kausalität.“ 

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