Queraufstieg Berlin

10.12.2018 16:00 - 19:30 Uhr

Doku: "Fuckup Night: Studienabbruch"

Am 10. Dezember 2018 fand im Coworking Space Unicorn mit 47 Teilnehmenden die erste „Fuckup Night: Studienabbruch“ im Workshop-Format für Studienzweifelnde und Studienaussteigende statt.

Scheitern ist größtenteils negativ besetzt und wird kaum thematisiert. Wir neigen dazu, unsere Erfolge zu teilen und unsere Misserfolge zu verbergen. Die "Fuckup Night: Studienabbruch" thematisierte das eigene Scheitern im Hinblick auf den Abbruch eines Studiums. In lockerer Atmosphäre wurden wertvolle Erfahrungen von Studienabbrecher/innen weitergegeben, die dazu anregten, kreativ mit dem eigenen Scheitern umzugehen und aus den eigenen und den Fehlern anderer zu lernen.

Nach einer kurzen Präsentation zum Projekt Queraufstieg Berlin folgte der Direkteinstieg in das Thema „Scheitern als Chance“. Professor Ralf Kemmer und Patrick Wagner, Gründer der Gesellschaft für Fehlerkultur und Ausrichter von Berliner Fuckup Nights, erklärten die Idee und Besonderheit hinter dem Format: dem Scheitern das Stigma des Verlusts zu nehmen. Sie sprechen sich für einen offenen Umgang mit Fehlern aus und wollen so auch ein Umdenken in Bezug auf eine gelebte Fehlerkultur in Deutschland anstoßen.  

Impulse

Drei Impulsgebende berichteten von ihren Erfahrungen nach dem Studienausstieg und gaben einen authentischen Einblick in die gemeisterten Herausforderungen und den Umgang mit den erlebten Unsicherheiten.

So berichtete Sascha L. von dem Moment, als er das Studium aus den Augen verloren hatte, weil er durch einen studentischen Forschungsjob bereits mehr Zeit mit praktischer Arbeit verbrachte und sein Elektrotechnikstudium schließlich nach 14 Semestern abbrach, um eine Ausbildung zum Elektroniker für Informations- und Telekommunikationstechnik zu beginnen. Er empfahl offensiv mit dem Studienabbruch umzugehen und dies auch in Bewerbungsgesprächen zu kommunizieren.

Im Anschluss gab Frauke H. Einblick in ihre Studienzeit, die sie in Italien verbrachte. Zwar war es ihr großer Wunsch gewesen, in Mailand Architektur zu studieren, doch das Einleben in der fremden Kultur fiel ihr schwer. Zurück in Berlin hat sie sich die Zeit genommen sich mit ihren Stärken und Schwächen auseinanderzusetzen. Das rät sie auch Studienzweifelnden und ermutigt sie, sich praktisch auszuprobieren.  

„Ich hatte keine Ahnung, was ich studieren sollte.“ Mit diesen ehrlichen Worten berichtete Christopher Z. von seiner Erfahrung, dass von ihm als Abiturient eben ein Studium erwartet wurde und somit eine Berufsausbildung erst einmal nicht zur Diskussion stand. Doch nach zwei abgebrochenen Studiengängen ist ihm klar, dass das Studium ihm zu theoretisch ist. Eher zufällig stößt er auf das IHK-Projekt „Your Turn“, das Studienaussteiger in eine duale Ausbildung vermittelt. Heute empfiehlt er jedem, der sich unsicher ist, ehrlich mit sich zu sein und dann auch zum Abbruch zu stehen.

Jedem Erfahrungsbericht schloss sich eine Publikumsreflexion an. Viele Teilnehmende fanden sich in den Berichten wieder und nutzen die Gelegenheit direkte Fragen an die Sprecher/innen zu stellen. Eine Teilnehmerin fühlte sich von den Erfahrungen der anderen so bestärkt, dass sie spontan ihre eigene Geschichte auf dem Podium präsentierte.

Murmelgruppen

Ein wichtiger Bestandteil der Veranstaltung waren die sogenannten Murmelgruppen für den Erfahrungsaustausch der Teilnehmenden. Es fanden sich zwei Gruppen mit  ca. 15 Personen zusammen. In den Murmelgruppen waren Beratende sowie Studienzweifler/innen und Studienaussteiger/innen aus verschiedenen Studiengängen, von Naturwissenschaften bis hin zu kreativen Studiengängen wie Design, vertreten. Die Ausgangssituationen der jungen Menschen waren ebenfalls sehr unterschiedlich. Neben Personen, die den Studienabbruch beschlossen und sich bereits einen Ausbildungsberuf als Alternative ausgewählt hatten, waren auch Personen, die schon seit mehreren Semestern mit dem Abbruchgedanken hadern und sich unsicher sind, wo das Problem konkret liegt.

Auch die Problemlagen, die zu Studienzweifeln führen können, wurden als sehr vielfältig beschrieben, von der Unzufriedenheit mit den Inhalten im Fach und dem Studium selbst, über Prüfungs- und Versagensängsten und fehlendem Praxisbezug bis hin zur Angst vor der Zeit nach dem Studienabschluss. Nicht alle Teilnehmenden der Murmelgruppen sind demnach potenzielle Studienaussteiger. Einige benötigen einen Anstoß von außen, um zum Beispiel mit einem Nebenjob den fehlenden Praxisbezug auszugleichen, und andere Teilnehmende benötigen psychologische Beratung, um in ihren Studien erfolgreich fortzufahren. Es fand ein reger Austausch innerhalb der Gruppen statt und die Teilnehmenden gaben sich gegenseitig Tipps und Anregungen. Die Situation des (potenziellen) Studienausstiegs sorgte für großes gegenseitiges Vertrauen und offene Diskussionen.

Die Veranstaltung wurde durch Beratende aus verschiedenen Beratungsbereichen unterstützt. Sie standen als Ansprechpersonen für den Austausch sowie für individuelle Rückfragen zur Verfügung.

Die Rückmeldungen zur Veranstaltung waren sehr positiv, so dass für das Jahr 2019 geplant ist, das Format zu einer Veranstaltungsreihe weiterzuentwickeln.


Aussagen von Studienaussteiger/innen zur Veranstaltungsteilnahme:

„Ich finde es unheimlich wichtig, den Studienabbruch nicht nur im privaten Einzelgespräch zu thematisieren. Weswegen ich Euch wahnsinnig dankbar bin, dass Ihr es durch die Fuckup Night zu einem öffentlichen und enttabuisierten Gespräch gemacht habt.“

„Glückwunsch zur tollen Veranstaltung! Ich hatte das Gefühl, dass der Workshop einige Teilnehmende erreicht hat, aber für alle Anwesende eine bereichernde Erfahrung war. Die Gruppengespräche waren sehr hilfreich und ich fand es toll, wie viele Teilnehmende sich geöffnet haben.“

„Ich habe mich mit massig Infomaterial eingedeckt, dass ich erstmal sichten möchte. Danach schaue ich bei den Anlaufstellen nochmal, ob und wann ich Termine vereinbaren möchte.“


Aussagen von Beratenden zur Veranstaltungsteilnahme:

„Ich danke Ihnen für diese wirklich interessante Veranstaltung und freue mich auf eine Fortsetzung.“

„Herzlichen Glückwunsch nochmals zu Ihrer sehr erfolgreich umgesetzten Veranstaltung.
Ich fand sie spannend und absolut  gelungen.“



Ort
Unicorn
Adresse
Brunnenstraße 64
PLZ
13355
Stadt
Berlin
Organisator

Queraufstieg Berlin